Underdog-Guide Teil 1

Posted by Flashback333 August 30, 2019 in Knowledge

Jeder kennt die Situationen, in denen man plötzlich unsicher wird, weil irgendjemand oder irgendetwas als unüberwindbar erscheint. Die besten Beispiele kommen natürlich aus dem Sport, aber auch im Alltag begegnen wir ständig diesen Situationen. Letztlich hat das auch alles etwas mit den Erwartungen zu tun mit der wir in eine Situation kommen. Wenn man selbstbewusst in ein Umfeld kommt, wo man auf einmal merkt, dass jeder andere selbstbewusster als man selbst ist, dann entspricht das nun mal nicht der eigenen Erwartung. Ein Underdog hat ständig Berührung mit diesen Situationen.

Immer wenn wir diese „David vs. Goliath“-Momente empfinden, werden Automatismen in unserem Körper aktiviert, die durch vorherige Erfahrungen geprägt sind. Machen wir ein krasseres Beispiel: Menschen, die von Mitmenschen häufig untergebuttert werden (von Eltern, Lehrern, Mitschülern…), entwickeln eine mentale Unterwürfigkeit und Passivität. Man geht dann Konflikten eher aus dem Weg. In jeder Situation, wo so ein Spannungsfeld auftaucht, startet dann irgendwann der Automatismus der Konfliktvermeidung z.B. durch Flucht, Ausreden, Lügen. Es gibt allerdings Momente im Leben, wo man Konflikten nicht aus dem Weg gehen kann oder sollte. Beispielsweise, wenn im Job Chefs oder Kollegen die Lorbeeren für die eigene Arbeit beanspruchen und man selbst nur mit der Austragung des Konflikts um die Lorbeeren kämpfen kann. Konfliktvermeidung würde an dieser Stelle bedeuten, dass man sich jegliche Gehaltserhöhungen abschminken kann und sich auf die Dauer relativ unglücklich zur Arbeit schleppt.

Sport ist Wettkampf, also ein ständiger Konflikt. Das fängt im Training an, wo man sich gegen andere durchsetzen muss und das hört bei schweren Niederlagen auf, wo das Ergebnis nicht weiter von den eigenen Erwartungen entfernt sein könnte. Im Staub liegen bleiben kann da keine Option sein. Gerade für einen Underdog.

Underdogs sollten sich auf diese Situationen vorbereiten. Sie sollten die Automatismen aktiv auf diese Momente ausprägen und täglich trainieren.

Wir starten also heute mit der Reihe „Wir werde ich ein stärkerer Underdog?“

Teil 1: „Das Ritual“
Im Sport sind Underdogs immer bestens dokumentiert. Viele Sportler und Teams haben ein Ritual. Manchmal wird es als Erkennungsmerkmal der Sportler missverstanden. Beispiele sind der Haka-Tanz im Rugby https://www.youtube.com/watch?v=I3gbneDt-S4 oder das hier: https://www.youtube.com/watch?v=PVq0MrmezpI

Im Alltag kann das auch eine Angewohnheit sein wie sich vor bzw. nach einer Prüfung mit etwas positiven (Shopping, Eis…) zu belohnen. Wichtig hier ist: Das wird gemacht, egal wie die Situation ausgeht. Der Kopf wird nach und nach auf die positive Umgangsweise mit der Situation „geschult“. Aus der Psychologie weiß man, dass man sich selbst mit genügend täglichen Wiederholungen (ca. 30) konditionieren kann. Als Underdog ist es wichtig sich auf Niederlagen, Rückschläge und unerwartete Abweichungen von seinen Erwartungen einzustellen. Ein Ritual hilft dabei, ist generell erst einmal kostenlos und hat – wie die Beispiele zeigen – eine enorme Wirkungskraft auf Körper und Geist.

Es gibt den Ansatz so ein Ritual nur vor der Situation durchzuführen, viele führen es aber auch vorher und nachher aus.

Unsere eSportler bei Wagazzi eSports haben jeder für sich ein eigenes Ritual vor den Matches. Beispielsweise gehen einige immer vorher noch auf Trainingsmaps, um dieselben Übungen durchzuführen, bevor man dann zum Team stößt und gemeinsam loslegt. Dem ein oder anderen ist das sicherlich gar nicht bewusst, aber dieses Ritual sorgt für einen klaren Kopf, eine grundlegend positive Motivation und genügend Selbstbewusstsein. Im besten Falle bezieht so ein Ritual allerdings noch viel mehr mit ein.
1. Den Moment. Wer sich des Augenblicks bewusst ist, kann die Situation erst genießen. Wir behandeln das in einem anderen Teil.
2. Das Wissen darüber, dass Fehler erlaubt sind und Teil unseres Lebens sind. Auch hier mehr dazu in einem anderen Teil.
3. Den Fokus auf die Situation unter Ausblendung des Lernwillens. Klingt kryptisch. Auch hier mehr dazu in einem späteren Teil.
4. Den Fokus auf seine eigene Leistung unter Ausblendung der Leistung anderer sowie der Abkoppelung dieser Bewertung vom Ergebnis. Richtig. späterer Teil 🙂

Wahrscheinlich kommen im Laufe dieser Reihe noch weitere Punkte dazu, aber wir starten hiermit erst einmal.

Zurück zum Ritual. Es gibt viele Anleitungen wie man sich so ein Ritual herleitet, aber letztlich ist jede Person anders gestrickt. Ein besserer Ansatzpunkt ist, sich seine eigenen Gewohnheiten bewusst zu machen. Auch jetzt schon hat man ein unbewusstes Ritual in jeder Situation. Achtet darauf, was Ihr vor einem Spiel, morgens vor dem Job, Nachmittags vor dem Treffen mit Freunden usw. macht. Es wird sicherlich (fast) immer dieselbe Struktur sein. Wenn Euch das bewusst geworden ist, dann kann man diesen Ablauf bewusst ändern und die oben genannten Punkte mit einbauen.

Stoppen wir an dieser Stelle. Hausaufgabe: Erinnert Euch an eine schon im Vorfeld bekannte „David vs. Goliath“-Situation aus der näheren Vergangenheit, z.B. Bewerbungsgespräch, Prüfung in Schule/Uni, irgendwas, wo klar war, dass das nicht einfach wird und versucht herauszufinden, welches Ritual Ihr davor durchgeführt habt. Schreibt die Schritte des Rituals auf und denkt darüber nach was das Ritual mit Euch (positiv) macht.